Freitag, 17. September 2010

Interpol und der Verlust der Sicherheit

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Der Mensch hat jede Menge Eigenheiten. Dazu zählt unter anderem das große Bedürfnis nach Sicherheit. Mit gerade putziger Eifrigkeit schustert er sich ein Kokon gegen die Unbeständigkeiten des Lebens: Blitzableiter, Ehevertrag, Versicherungen aller Art, Desinfektionspray, Vollkasko, Teilkasko, Einen Kühlschrank, der piept, wenn man die Tür zu lange offenstehen lässt. Hand ind Hand gehen Sicherheit- und Kontrollbedürfnis, und die Fülle an Angeboten, mit welchen wir uns gegen alles und jeden absichern lassen - obwohl die Wahrscheinlichkeit eines wirklichen Schadens oft nicht gegeben ist - spricht Bände der tatsächlichen Verunsicherung. Denn am Ende des Tages und wenn wir ehrlich sind, gibt es nie eine wirkliche Sicherheit. Weder eine für das physische und erst recht keine für das psychische Wohl. Und dem Gnade Gott, der irgendwann und unweigerlich in seinem Leben, auf diese Erkenntnis stößt.


Gäbe es eine Versicherung dafür, dass die bis dato besten Bands immer den selben Weg verfolgen und immer die neuen Arrangements in anderem Gewand präsentieren, müsste diese beim neuen Interpol-Album eindeutig einspringen. Wer gehofft habe, das Album käme in Antics- oder gar Turn on the Bright Lights- Manier daher, der hat sich geschnitten. Was schon auf Our Love to Admire in wenigen Songs (etwa in Wrecking Ball oder the Lighthouse) anklang, wird hier konsequent zu Ende geführt. Die sowieso schon immer sehr melancholische Band hat eine neue Schwere und Tiefe erlangt, und dafür die so typischen eingängigen und verzerrten Gittarrenriffs geopftert. Jegliche Leichtigkeit ist dahin. Was dem Album allerdings in keinster Weise schadet.

Auch thematisch ist das Album keine fröhliche Blumenwiese. In fast jeden Song wird Verlust und insbesondere Verlust einer allgemeinen Sicherheit besungen. Schon im Opener Success beschwört Paul Banks monton-resigniert: What safety can you find // What safety can you buy. Und ähnlich geht es weiter: verlorene Lieben, Mauern und Grenzen, Verzweiflung, Resignation - welche sich in Barricade auf die Spitze getrieben einen Ausweg freihält: Full speed, half blind // Full tilt, decline // We turn to past times, Um dann schließlich den leidgeplagten Paul Banks erschöpft und belehrt in Safe Without zurück lässt:

I'm not the hero out the gate

So much to feel, so much to gain
My higher reason will take pain
I'll be okay, I've got my shapes.

Vorbei der treibende Heroismus vergangener Tage, der mit Songs wie PDA oder Obstacle 2 in die Herzen der Hörer platze. Zugegebenermaßen, Interpol war noch die Band für erbauliche Songs - Man denke nur an den Metzgergeselle Roland, der seine 16 Messer durch die Stadt spazieren trägt - aber das sich jene Schwere auch in den nun ausufernden, rhytmisch deutlich verlangsamten Arragements manifestiert, in denen nicht selten Banks' Stimme in den Hintergund rückt, die gewohnte Pointierung lässt sich nur erahnen. Dennoch sind Songs wie Summer Well, Barricade oder Try it on gerade durch diese Komplexität kleine Meisterwerke, die sich, wie könnte es auch anders sein, erst nach mehrmaligen Hören offenbaren. Erstaunlicherweise wirft Interpol mit Lights den sperrigsten Song des Album als Single auf dem Markt. Kein eingängiger Refrain, kein zuckendes Tanzbein. Ein Statement?

Zugegeben, guter Wille gehört zu diesem Album dazu, um die nötige Geduld aufzubringen, und es nicht als einen lustlosen Versuch einer neuen Platten abzutun. Das neue Album von Interpol ist bei weitem das psychlogischste, und möglicherweise somit auch das menschlichste. Denn Verzweiflung und Schmerz, aber auch Hoffnung waren dem emotionlosen Gesang Paul Banks, wie auf den ersten beiden Album zelibriert, bis dato fern.
karthatisch, stoisch und episch das neue Album nun ausgefallen. Sicher keine Platte, die für gute Laune sorgt. Aber dafür die klügste, die diese Band je hervorgebracht hat.
Das nun wirklich - und ausnahmsweise - mit Sicherheit.





Kommentare:

  1. Dieses Werk ist ein Statement gegen euch alle.

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  2. Das Video ist einfach genial!Ich liebe den Song!

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  3. interpol ist eine meiner großen lieben. und du hast das wirklich sehr schön beschrieben. was sagst du dazu, dass carlos jetzt nicht mehr dabei ist? mich macht das wirklich traurig. trotzdem werde ich sie im november sehen und freue mich unendlich darauf.

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  4. Mit gerade putziger Eifrigkeit gequirlte Scheiße geschustert

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  5. he ihr haters. lasst doch mal diese ständigen pöbeleien. erst mal besser machen. ich bin großer fan von clean chic. rike sieht nicht nur gut aus, sie hat auch was im köpfchen und hat das talent uns alle daran teilhaben zu lassen.

    lg claire

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  6. Hochgestochene Worte ohne Sinn.Noch nie so eine weithergeholte und aufdringlich subjektive Kritik gelesen.

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