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Mittwoch, 22. Februar 2012

Versprochen ist versprochen: Fundstücke Februar

Na gut: der Vorsatz war da, die Zeit weniger. Seit dem ich mich aus dem Studentenleben verabschiedet habe und jetzt zur "arbeitenden Bevölkerung" zähle, bleibt nicht mehr so viel überschüssige Motivation abends vor dem PC rumzuhängen. Seid mir nicht böse!
Hier hab ich nämlich auch schon meine Fundstücke in diesem Monat für euch:


































































































































1) & 5) Bilder blättern:
Neue alte Leidenschaft: Minimalismus und Konkrete Kunst. Hier die dazugehörigen Kataloge der Daimler Kunstsammlung.

 
2) Radio hören:
Am liebsten mit meinem heißgeliebten AEG Super 4085 Radioapparat von 1952. Zum Beispiel dieses grandiose Feature von Jochen Dreier auf SWR2 mit dem klangvollen Titel "Zombie 2.0 - Die Perfektionierung der Untoten. Eine Gesellschaft findet ihre Metapher". Sehr zu empfehlen!

 
3) Schuhe anschauen:
Nicht unbedingt wintertauglich, deswegen vorerst als Dekoration: Wedges aus dem Zara-Sale.

 
4) Früh aufstehen:
Okay, 7.30 Uhr ist sicher für viele von euch sehr human, aber als ehemaligen Studentin für mich ziemlich ungewohnt. Dieses Exemplar ist allerdings so nett und weckt mich zur Zeit mit Devendra Banhart.

 
6) Viereckige Augen bekommen:
Ich versuche ja schon lange, den Mörder von Laura Palmer endgültig zu überführen. Mit der "definite gold box edition" gelingt mir das hoffentlich in absehbarer Zeit. (Danke, Yogi!)

 
7) Große viereckige Augen bekommen:
Der wunderschöne Fashion Film von Stephanie di Gusto für Vanessa Bruno mit der wundervollen Kate Bosworth ist ein kleines Meisterwerk. 

 
8) Pfannen schrubben:
 Teflon Heart von den Caged Animals gehört zu meinen liebsten Songs der letzten Wochen. Besonders beim Abwasch, versteht sich.

Freitag, 13. August 2010

A women's perfume tells more about her than her handwriting

...sagt Christian Dior. Ebenfalls und mindestens so aussagekräftig sind die liebsten Bücher, die manchmal einen genauso diffussen Eindruck oder ein unterschwelliges Gefühl hinterlassen, wie ein Duft. Nicht greifbar, eine verschwommene Erinnerung, ein kurzer Geistesblitz, ein vergänglicher Moment.

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William Goldmann - Die Brautprinzessin // Comme de Garcons - Series 1: Leaves TEA

"Das hier ist noch immer mein Lieblingsbuch" lautet der erste Satz. Den kann ich ohne weiteres unterschreiben. Ich habe diesen Schatz vor vielen Jahren gefunden und verehre ihn immernoch wie am ersten Tag. Wiliam Goldmann, der bekannte US-Drehbuchautor, verfasst hier eine traumhafte, heitere, nervenzerreißende Liebesgeschichte, irgendwo zwischen Märchen und Realität, und beruft sich dabei auf das Orginal eines "S.Morgenstern", das bis heute nicht so recht auftauchen wollte. Ein Buch fürs Leben. Ihr werdet es lieben. Campino sagte einst darüber: "da steht alles drin, was man über Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht wissen muss. Wer dieses Buch nicht mag, ist nichts für mich". Und wer Campino nicht mag, dem sei noch das Urteil von Kritiker Frank Schorneck ans Herz gelegt: "Wer dieses Buch nicht mag, dem ist nicht mehr zu helfen".

Immernoch mein Lieblingsduft ist
Tea aus der Leaves-Serie von Comme der Garcons. Ähnlich berauschend und mitreißend öffnet er eine ganz eigene Welt, süß ohne kitschig zu sein, tiefgründig, spannend. Und sehr, sehr eigen. Duftnoten: Schwarzer Tee, Bergamottenzesten, Rosenblätter, Zedernholz, Mate-Tee. Macht - wohl schon aufgrund der Inhaltsstoffe - schlaflöse Nächte. Wie das Buch, wenn ihr erst einmal angefangen habt, zu lesen.



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Julia Zange - Die Anstalt der besseren Mädchen // Valentino - Rock'n Rose

Das Einzige, was hier an beiden Exemplaren deutlich in die Hose ging, ist die Namensgebung. Die Anstalt der besseren Mädchen klingt irgendwie nach einem Borderline-Treff für arme, unzufriedene Teenager. Ist es aber nicht: Julia Zange beschreibt hier die Geschichte von Loretta, die "so erwachsen ist wie Kate Moss", und in der Hipster-Peripherie von Berlin abhängt. Unselbständig bis zum geht-nicht-mehr, schreibt ihr Freund täglich to-do-Listen für die Mitte-Zwanzig-Jährige, die aber auch ohne weiteres 12 sein könnte. Ihr Kokon aus Naivität, Mode, Realitätsflucht und Kindlichkeit bröckelt, als sie schwanger wird. Post-prenatale Depression nennt man das, was Loretta dann einholt. Mit einem gehörigen Vorrat an Anti-Depressiva flüchtet sie aufs Land, um dort mit Gleichgesinnten auf einem malerischen Bauernhof dem Schicksal zu trotzden. Ihre beste Freundin dort nennt sie übrigens nur CK- weil sie wie ein Model auf den Großen Werbeplakaten des Designers aussieht.
Dieses Buch ist beklemmend nah dran an einer designten Hipster-Hölle, die Oberflächlichkeit als höchstes Gut zelebriert. "Die hohe Schule der Unterschwelligkeit. Dabei ziemlich ergreifend. Blue-Eyed-Soul" (Thomas Meinecke)

Rock'n Rose klingt nach Drogerie-Parfüm à la Avril Lavigne, also auch irgendwie nach Boderline-Treff unzufriedener Teenager, ist aber glücklicherweise nichts davon. Sehr Blumig, sehr naiv, aber auch ein bisschen bitter, ein bisschen tragisch. Mädchenhaft, aber wehe, man kratzt an der Oberfläche. Duftnoten: Rose, Maiglöckchen, Moschus, Iriszwurzel, Heliotrope, Bergamotte.



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James Joyce - Ulysses // Comme de Garcons - Series 3: Inscense AVIGNON

Ohne Worte. Mächtig, besitzergreifend, episch, komplex, kompliziert, auf ewig ein Rästel. Ähnlich schwer zu verdauen:
Avignon aus der Inscense-Serie von Comme de Garcons. Benebelnd durch den hohen Gehalt an Weihrauch, der einen komplett einhüllt. Dazu: Palisanderholz, Vanille, Kamille, Labdanum, Patchouli. Kein Duft für unbeschwerte Stunden, kein Buch zur reinen Unterhaltung. Prädikat: hochdramatisch.



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Mitch Albion - The five people you meet in heaven (englische Ausgabe) // Kenzo - Flower

"The only time we waste, is the time we spend thinking we are alone", ist wohl einer der Sätze, die sich seit diesem Buch in mein Gehirn eingebrannt haben. Ein selten beruhigendes Buch über das Leben und auch ein bisschen über das Sterben. Wieviel ersteres Wert ist, erfährt der alteEddie, als er auf unnatürliche Weise ums Leben kommt. Er wird während seiner Arbeit auf einem Freizeitpark recht dramatisch von einem Achterbahnwagen erschlagen. Klingt ziemlich komisch, ist es aber nicht. Überhaupt ist das Buch wenig komisch, aber sehr sehr tröstend. Denn Eddie trifft im Himmel auf fünf Menschen, deren Leben er direkt ider indirekt beinflusst hat und die er teilweise nicht mal persönlich kennt. Dieses Buch lehrt eins: Nichts unvollendet zurücklassen, weder Beziehungen noch Dinge. Klingt etwas platt, aber alle großen Wahrheiten sind einfach.

Flower by Kenzo ist mein Parfüm für schlechte Tage. Aufwachen mit Kopfweh, Albträume gehabt, verkatert oder traurig, was auch immer. Es beruhigt mich ungemein. Irgendwie erinnert es mich an den Duft von Lippenstift, den ich als kleines Mädchen meiner Mutter geklaut und mich damit möglichst damenhaft angemalt hat.
Ein richtig schöner Duft, ohne großes Drummherum. Mein ruhiger Klassiker. Duftnoten: Opoponax, Jasmin, Veilchen, Rose, Mochus.



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Hans Erich Nossack - Spirale // Givenchy - Ange ou Démon

Schwierig ist
Spirale, ein Buch über Bruchstücke eines Lebens, gebrochen wie in einem Kaleidoskop, voller Spiegelung und Täsuchung. Nie ist ganz klar, was jetzt Fiktion, und was nun wirklich so geschehen ist. Ein komplexer Roman, vielschichtig, das sich nicht einfach Lesen lässt. Viel arbeit für den Leser, aber es lohnt sich - wenn man sich mal damit angefreundet hat.

Ange ou Démon ist ein seltsamer Duft. Wie das Buch, mochte ich ihn zuerst garnicht. Sehr schwer, ein bisschen abstrakt, jede Duftnote lässt sich als einzelne herauslesen. Zusammenfügen müssen wir es aber schon selbst.
Zur Zeit mein Lieblingsduft, seine Duftnoten: Lilie, Orchidee, Eichenmoss, Safran, Thymian.



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Ernst Hemingway - A Moveable Feast // Comme de Garcons - 8 88

Paris in den 20 Jahren: Café au lait in kleinen Straßenkaffees, blühende Kunst und Kultur, die Metropole der Mode und des guten Weins. Hemingway und Paris - das war Liebe auf den ersten Blick. Goldene Zeiten für den jungen Schrifsteller und seine Frau, die sich schon bald mit der Pariser Bohéme anfreundeten und dem schönen Leben frönen, ohne jedoch dabei das wichtigste aus den Augen zu verlieten: Die große Liebe zum Schreiben. Das Buch beschreibt ziemlich genau die Zeistspanne, in der wir wohl alle gerne gelebt hätten. Edel, glamaourös und trotzdem frei und voller Lebenslust.

8 88 soll die molekulare Struktur von Safran beschreiben, des edlen Gewürz, dass die Basis für dieses schwere und edle Parfüm bildet. Es erinnert mich an lange Abendkleider und aufwendige Frisuren, an Damen mit Fächern an der Bar, Herren mit Fliege im Salon, an schwere Holzmöbel, leise Jazzmusik. Wenn ich es trage, fühle ich mich wie eine Grand Dame. Muss ja auch mal sein.
Duftnoten: Safran, Pfefferholz, Geranie, Kurkuma, Ambra.

Mittwoch, 5. Mai 2010

LITERATUR: Liebesleben - Zeruya Shalev

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Die letzten Seiten dieses Buches habe ich vorgestern in strömendem Regen gelesen. Fast habe ich meine Haltestelle verpasst, und als ich aus dem Bus austieg, wollte ich die 5 Minuten bis nachhause nicht abwarten. Ich stand angewurzelt mitten auf dem Gehweg, und als ich das Buch zuschlug, leicht durchgesweicht, merkte ich erst, dass ich klitschnasse Füße hatte.


Wer ein nettes Buch sucht, dass sich wunderbar vor dem Schlafengehen lesen lässt, einem zum Lachen bringt und für ein bissche Zerstreuung sorgt, der wird mit Liebesleben von Zeruya Shalev sicher nicht glücklich. Das hier ist kein schönes Buch über Liebe - oder vielmehr kein Buch über eine schöne Liebe. Der liebliche, rosa-beige schimmernde Einband täuscht ganz gewaltig.
Ja' ara ist Anfang 20, verheiratet, und steht kurz vor der Anfertigung ihrer Abschlusarbeit an der Universität. Alles scheint gut, das Leben vorgezeichnet - nicht aufregedend, aber geordnet - als sie Arie trifft. Plötzlich steht er vor der Tür des elterlichen Hauses, er ist ein Freund ihres Vater und auch mindestens so alt. Ja'ara ist zwar beeindruckt von seiner eleganten Gestalt, aber nicht übermäßig angetan. Erst zuhause, in der gemeinsamen Wohnung mit ihrem Mann Joni, merkt sie, dass ihr der Herr mit starkem französischem Akzent nicht aus dem Kopf geht.
Was jetzt folgt ist klar: Ja'ara stürzt sich in eine amour fou mit dem alternden Arie. So weit, so gut, damit könnte die Handlung des Buches beschrieben sein. Doch diese Affäre bildet nur die Rahmehandlung: In und zwischen den Zeilen geht es um Ja'aras Kampf mit sich selbst, dem Gespaltensein zwischen eine Leben voll Sicherheit und in wilder Freiheit und dem endgültigen Erwachsenwerden, dass Arie wie folgt beschreibt: Man tauscht ein Problem gegen ein anderes, die Frage ist nur, mit welchem man besser Leben kann.
Ja'ara weiß nicht, mit wem sie besser Leben kann, mit dem aufopferndem Joni oder dem passiv-aggressiven Arie, aber im Grunde ist diese Frage auch nicht wichtig. Hier geht es um etwas ganz anderes: Um die unglaubliche Eigenschaften des Menschen, sich wohlwissend in sein eigenes Verderben zu stürzen und den Punkt, der erreicht werden muss, um sich schließlich selbst - vielleicht auch vor sich selbst - zu retten.

Die israelische Autorin Zeruya Shalev schießt nicht mit Weisheiten um sich, stellt keine moralischen Ansprüche, spricht frei oder verurteilt. Diese Arbeit überlässt die getrost dem Leser. Überhaupt muss der Leser einiges leisten: Hier wird nicht alles vorgekaut und deutlich ausformuliert, die Brücke zu den Abschnitten aus Ja'aras Kindheiten oder Geschichten aus dem alten Testament muss der Leser selbst schlagen. Zeitweise ist das anstregend, da das Buch ungeteilte Aufmerksamkeit verlangt. Aber umso mehr fühlt man mit Ja'ara die schließlich vor einem Scherbenhaufen steht und auf sich selbst zurückgeworfen wird. Fast kindlich staunend erinnert sie am Ende des Buches:
Die Überraschung liegt nicht in den Fehlern, die man begeht, denn wir wissen von vorneherein, dass wir es tun werden, die Überraschung liegt in der Größe der Auswirkung der Fehler.
Vielleicht zu spät? Oder hat dieser Fehler am Ende nur den richtigen Weg gezeigt? Zeruya Shalev verrät es nicht. Die Antwort liegt im Auge des Betrachters.

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Zeruya Shalev: Liebesleben .Taschenbuchverlag, Berlin 2003

Montag, 8. März 2010

VOGUE & LITERATUR: Urban Alice

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Was hat diese kleine bezaubernde Dame und das britische Versandhaus ASOS gemeinsam?
Eigentlich sehr wenig - außer, dass diese Lady die neuste Kollektion des Modelabels zu verantworten hat.
Und das, obwohl zwischen diesem Bild und heute 150 Jahre liegen.

Also erst einmal der Reihe nach.

Der 4. Juli 1862 muss ein schöner und heißer Sommertag gewesen sein, sonst hätte sich dieses Mädchen wohl nicht mit ihrem Vater und ihrer Schwester auf dem Weg zu einem Picknick gemacht. Eine ruhige Bootsfahrt auf der Themse vom Heimatort Oxford ins verwunschene Godstow war vielleicht eine malerisch-schöne Angelegenheit - aber dem kleinen, 10-Jährigen Wildfang ein bisschen zu malerisch. Während ihr Vater ruderte, bat sie Charles Lutwidge Dodgson - einen Freund, der die Familie begleitete - um eine Geschichte. Und der erzählte der kleinen Alice Pleasance Lidell ein Märchen, das die Kleine gar nicht mehr aus dem Staunen brachte. Mr. Lidell, überrascht über die Verblüffung seiner sonst so aufbrausenden Tochter, riet ihm: "Schreib das auf!"

Ein guter Rat, denn dieses Märchen ist heute in aller Munde: unter dem Namen Lewis Caroll veröffentlichte Dogson wenig später Alice im Wunderland. Die kleine Alice, die ihn damals um die Geschichte bat, diente als Vorlage für die Protagonistin. Der kleinen, quicklebendigen Dame setze er mit einem Gedicht am Ende des Buches ein Denkmal:

A boat beneath a sunny sky
Lingering onward a dreamily
In an evening of July

Children three that nestle near
Eager eye and willing ear
Pleased a simple table to hear

Long has paled that sunny sky
Echoes fade an memories die
Autumn frosts have slain July

Still she haunts me, phantomwise
Alice moving under skies
Never seen by waking eyes

Children yet, the tale to hear
Eager eye and willing ear
Lovingly shall nestle near

In a Wonderland they lie
Dreaming as the days go by
Dreaming as the summers die

E
ver drifting down the stream
Lingering in the golden dram
Life what is it but a dream?

Jeweils der erste Buchstabe jeder Zeile ergibt einen Namen: Alice Pleasance Lidell. Eine kleine versteckte Huldigung in Form von einem Akrostichon. Übrigens eines von vielen verstecken Hinweisen und Andeutugen. Durch das ganze Buch zieht sich ein Spiel mit Logik und Wörtern. So oft man das Buch auch liest: Immer kommt Neues zum Vorschein. Vielleicht ist das der Grund, warum dieses Märchen auch für "die Großen" so faszinierend ist.

Gehuldigt wurde Alice im Wunderland in allen Formen der Kunst: Musik, Literatur, Film, Malerei - überall wurde die Geschichte des kleinen Mädchens, dass auf der Suche nach einem Hasen in eine andere Welt abtaucht, aufgeriffen. Man denke nur an den Song Down in a Rabbit Hole von Bright Eyes, Das Album Alice von Tom Waits, den Roman Finnegans Wake von James Joyce. In Matrix finden sich zahlreiche Anspielungen auf Alice im Wunderland und Robert de Niro alias Travis Bickle trägt in Scorsese's Taxi Driver das Gedicht Humpty Dumptys vor.

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Zu guter Letzt natürlich die neue Adaption des von mir schwer geliebten und verehrten Tim Burton. (Die ich allerdings noch nicht gesehen habe! Und ihr?)

Und jetzt also auch ASOS. Alice im Wunderland wird zu Alice im Internetversand: Das britische, allseits bekannte Modehaus sprang auf die aktuelle Alice-Welle auf und entwarf eine ganze Kollektion zu Ehren der unfreiwilligen Heldin. Herausgekommen dabei ist eine hübsche und augenzwinkernde Schmuckkollektion, und eine - meine Meinung nach- eine bisschen uninspirierte Reihe von Kleiderstücken und Schuhen, die zwar nicht unbedingt den Rückschluss auf Alice im Wunderland zulassen, aber trotzdem sehr hübsch anzuschauen ist, leider nur bei weitem nicht so schräg, grotesk und wundervoll wie die Kostüme aus dem Film, mit der Kostümbilderin Colleen Atwood wirklich den Vogel abgeschossen hat.

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via Asos

Liebe Alice Lidell, ASOS dankt dir für eine neue Marketingstrategie und ich für ein wunderbares Märchen, dass dir hoffentlich nicht ganz so viel Angst eingejagt hat wie mir, als ich noch klein war.
Und, Achja: Wo finde ich um Himmelwillen den Eingang zum Kaninchenbau?!

Mittwoch, 24. Februar 2010

LITERATUR: Die versnobbte Kaputtheit

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Jetzt liege ich neben etwas nicht wirklich substantiellem, in eine hellgelbe Toilettenschüssel Erbrochenem auf roten Corddecken und bin gehäutet worden. (…) Ich bin eine einzige große Wunde und löse mich in der Umgebung auf. Diese glorifizierte Scheißjugend ist also auf die Haut geschrieben, auf die Upperclass-Haut, die mich ausmacht...

Kein großes Rätsel, aus welchem Buch ich hier zitiere: Kotze, Scheißjugend, Wunde, Upperclass...
Genau, das kann nur Helene Hegemann sein. Seit Wochen kaum ein Literatur-Teil in einer beliebigen Zeitung, der nicht über das Wunder-Enfant-terrible und dem Roman "Axolotl Roadkill" berichtet hat. Ein Roman über eine kautte Jugend, die alles hat - und gerade deshalb dem Leben vor die Füße spuckt. Erst hochgelobt, dann fallengelassen wie eine heiße Kartoffel, als die Plagiat-Vorwürfe laut wurden - welche Hegemann teilweise auch zugab und sich dafür entschuldigte. Alles ist gesagt und geschrieben. Was niemand braucht, ist ein weiterer Bericht über das Leben und Leiden der 17-Jährige. Deswegen von mir auch keine weiteren Ausführungen zu dem Roman. (Von dem ich mir nämlich auch sehr wenig bis nichts verspreche.)
Nichtsdestortrotz ist seit Wochen Platz 2 der Spiegel-Bestseller ihr neues Zuhause, schließlich bleibt das Buch, über das die FAZ schrieb
Ein deutsches Romandebüt mit einer solchen Kraft hat es lange nicht gegeben, trotz Plagiatvorwurf das gleiche. Die Begeisterung, so scheint es mir, hat aber die Generation unter 30 nicht erreicht. Umso erstaunter war ich, als Max mir von Hegemanns Birthday-Party im Berliner Tresor berichtete und in einem Zug auch noch das Wort symphatisch erwähnt. Lest selbst:

helene hegemann liest axolotl roadkill im tresor und feiert dort gleichzeitig ihren achtzehnten geburtstag. das suggeriert in erster linie einen mangel an freunden und ein zu viel an geld, jedoch erschien mir die nun volljährige hegemann durchaus sympatisch. 800 geladene gäste = zwei endlose schlangen, hunderte rosa helium-luftballns im keller von berlins zweithärtesten technoclub, immerhin ein gratisgetränk, aber kein gratisbuch. das widerum konnte man für 14,95 erwerben und anschließend von der breit grinsenden autorin signieren lassen. außerdem gab es zuckerwatte, die man wunderbar an die wand kleben konnte.
fazit:"das war eine dieser geburtstagparties, die man nach dem ersten gratisdrink wieder verlässt (wir blieben immerhin noch eine stunde länger als geplant und tanzten mit uns selbst und vereinzelter b-prominenz).



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Max war überraschenderweise positiv angetan von Helene, fand sie witzig bis sogar niedlich-verschüchtert und bestätigte mir, das sie wirklich fettige Haare hat, die ihr andauernd ins Gesicht hängen - Wie wohl in jedem zweiten Text über Hegemann beschrieben.
Ob man nun den 18. Geburtstag von dem eigenen Verlag ausrichten lassen muss/soll (und dann auch noch mit Zuckerwatte), das sei mal so dahingestellt. Viel mehr würde mich interessieren: Findet ihr die Dame symphatisch? Hat es jemand von Euch schon gelesen? Habt ihr es vor? Warum nicht?
Ich konnte mich damit bis jetzt noch nicht anfreunden, vielleicht werde ich ja noch überzeugt. Oder noch mehr abgeschreckt? Lasst was hören!

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Hier
ein Spiegel-Artikel zu besagtem Ereignis.
Und hier ein Heroin-Rausch aus Axolotl Roadkill. Von Kindern vorgetragen! Die schreiben sicher in 10 Jahren den nächsten Skandalroman. Kennen sich ja dann aus in der Materie.



Außerdem möchte ich euch auch nicht den Trailer von
Torpedo vorenthalten. Der Film war 2009 das Regiedebüt von Hegemann und sieht gar nicht so übel aus.

Freitag, 19. Februar 2010

LITERATUR: Corpus Delicti. Ein Prozess - Juli Zeh

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Ich bin eine Frau mit einem Penthouse über den Dächern der Stadt und einer besonderen Begabung zum Schmerz.

Mia heißt sie, ist 34 und leidenschaftliche Naturwissenschaftlerin. Für sie ist jede Gefühlregung nur ein chemischer Prozess, der sich in den Gehirnzellen abspielt. Damit hat sie den Zeitgeist verinnerlicht: Mia lebt in einer fiktiven Gesellschaft, irgendwann in der Mitte des 21. Jahrhunderts. Viel hat sich geändert: Überfordert von Wirtschaftskriesen, Geburtenrückgang, zunehmenden Depressionen, Amokläufen, Herzinfarkten und Krebserkrankungen verordnet der Staat die METHODE. Diese ist das Ergebnis einer einfachen Rechnung: körperliche Gesundheit = geistige Gesundheit = ein zufriedenes, erfülltes Leben. Rauchen ist von nun an strengsten verboten, so wie Alkohol.Jeder Raum wird steril gehalten, statt Putzwoche wird regelmäßig das Treppehaus desinfiziert, im eigenen Heim kontrolliert das Klo die Urinwerte. Was zu essen ist, wird genau vorgeschrieben, wer nicht täglich sein Training auf dem Hometrainer vollzieht wird automatisch abgemahnt. Denn der ist - wie auch das Klo und Messgeräte der Luftwerte - mit dem Ministerium für Gesundheit verbunden. George Orwell lässt grüßen.

Mia funktioniert ohne Wiederworte in der METHODE. Doch dann stirbt ihr Bruder. Im Gefängnis. Festgenommen als angeblicher Feind des Systems, ohne Aussicht auf Freiheit, begeht er Selbstmord. "Das Leben", sagt er. "Ist ein Angebot, dass man auch ablehnen kann."


Er hinterlässt Mia nicht nur seinen unbändigen Freiheitswillen, sondern auch große Zweifel an der Methode. Mea bäumt sich auf.

Ich entziehe einer Wissenschaft das Vetrauen, die behauptet, dass es keinen freien Willen gebe. Ich entziehe einer Liebe das Vertrauen, die sich für ein Produkt eines immunologischen Optimierungsvorgang hält. Ich entziehe Eltern das Vetrauen die ein Baumhaus "Verletzungsgefahr" und ein Haustier "Ansteckungsrisiko" nennen. Ich entziehe einem Staat das Vetrrauen, der besser weiß, was gut für mich ist, als ich selbst. Ich entziehe jenem Idioten das Vertrauen, der das Schild am Eingang unserer Welt abmontiert hat, auf dem stand: "Vorsicht, Leben kann zum Tode führen"


Für sie beginnt ein Kampf mit der Methode, ein quälender Justizprozess, Ächtung ihrer Mitbürger. Immer dabei ist Kramer, der die staatliche Seite vertritt und mehr und mehr eine verwirrende und paradoxe Beziehung zu Mia aufbaut. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam und stetig, doch genau das soll Mea das Rückgrat brechen. Die jedoch, schon beinahe den Lebensmut verloren, kämpft weiter. Bis zum bitteren Ende. Immer in Gedanken an ihren Bruder: Sie will wissen, was genau passiert ist. Und noch mehr: was genau mit ihr passiert.

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Wer gut und wer nun böse ist, weiß man bei Julie Zeh nie am Ende. Aber eigentlich ist es, beim Zuschlagen des Buches, auch egal, Was bleibt, ist erstmal das Gefühl, tief Luft holen zu müssen und alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Das hier ist keine moralische Zukunfts-Vision, die uns nochmal mit erhobenem Zeigefinger daran erinnert, was möglicherweise bald auf uns zukommen wird, wenn wir nichts ändern. Das ganze ist ein Drama voller Persönlichkeit, Beziehung, menschlichen Abgründen und seelischen Höhenflügen, in die stärksten Wörter gepackt. Ohne großen Pathos, ohne Helden. Nicht überzeugt? Dann sei noch so viel gesagt:

Deine Knie seien mein einziger Stuhl.
Dein Rücken mein Tisch.
Deine Augen mein Fenster.
Dein Mund sei das Glas, aus dem ich trinke.
Dein Herz meine Nahrung, dein Puls meine Uhr, dein Leben meine Zeit.
Dein Atem sei meine Luft.
Dein Gesicht mein Mond, wenn du dich bei Nacht über mich beugst,
Und meine Sonne, wenn du bei Tag für mich lachst.
Deine Stimme sei mein einziges Geräusch.
Dein Puls meine Uhr, dein Leben meine Zeit.
Dein Tod sei meiner.

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Mittwoch, 10. Februar 2010

LEERSTELLE

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Gerade komme ich zu nichts.
Nächste Woche sind Prüfungen und die ersten Abgabetermine für Seminararbeiten stehen schon in 14 Tagen an.

Deswegen gibt es fürs erste nur kleine Einträge und ein paar einfache Fotos.

Wie etwa:
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Letzte Woche habe ich beim Zweitausendeins in Tübingen einige sehr schöne Errungenschaften gemacht. Dabei sind:
Gijs van Hensbergen: Guernica - Biographie eines Bildes. Siedler Verlag, München 2007
Annett Reckert (Hrsg.): Das Pferd in der zeitgenössischen Kunst. Hatje Cantz Verlag, Kunsthalle Göppingen 2006
Antonia S. Byatt: Geisterbeschwörung. Insel Verlag, Frankfurt a. M. 1995
Zeruya Shalev: Liebesleben. Berlin Verlag, Berlin 2003

Ich werde, sobald ich Zeit zum lesen finde,über die Bücher berichten.
Liebesleben ist laut Hellmuth Karasek "ein hocherotisches Buch". Das kann ja heiter werden. Immerhin ist er der Onkel von Thomas Mars. Richtig. Dem Phoenix-Frontmann.

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One more reason to stay tuned:
Am 24.Februar geht es für mich nach London, um einige wenige Tage von Galerie zu Galerie und von Museum zu Museum zu rennen - und ich komme sicher mit vielen Bildern zurück.
Ich war bis jetzt noch nie in England, geschweige denn von 2 Stunden, als wir während einer Passage von Hamburg nach New York letzten Sommer bei Southhampton vor Anker lagen, bevor es mit dem Schiff hinaus auf den Atlantik ging. Die habe ich genutzt, um mich - wie jeder verdammte Tourist - vor diese roten Telefonhäuschen zu stellen.

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